
Wer mehr liest verhält sich empathischer
Romane sind offenbar mehr als nur Unterhaltung: Wer regelmäßig fiktionale Geschichten liest, kann damit Empathie, Sprachvermögen und soziale Fähigkeiten fördern. Das zeigt ein aktueller Übersichtsartikel von Psychologen um Raymond Mar von der York University.
Die Forschenden haben bisherige Studien zur Wirkung fiktionaler Literatur ausgewertet. Demnach fällt es regelmäßigen Leserinnen und Lesern leichter, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Perspektive zu verstehen. Besonders deutlich könnten Menschen profitieren, die nur wenige soziale Kontakte haben oder in einem eher bildungsfernen Umfeld aufgewachsen sind.
Auch sprachlich scheint Lesen Vorteile zu bringen. Menschen, die häufig Romane lesen, verfügen im Durchschnitt über einen größeren Wortschatz und ein besseres Sprachverständnis. Interessant: Dieser Zusammenhang zeigt sich offenbar stärker bei fiktionalen Texten als bei Sachbüchern.
Darüber hinaus bringen Studien regelmäßiges Lesen mit höherem Wohlbefinden, prosozialem Verhalten und einem differenzierteren Blick auf die Welt in Verbindung. Einige Untersuchungen fanden sogar einen Zusammenhang zwischen Lesen und einer höheren Lebenserwartung.
Ganz eindeutig ist die Sache allerdings nicht. Die gemessenen Effekte sind meist eher klein, und häufig lässt sich nicht klar feststellen, was Ursache und was Wirkung ist. So könnte es beispielsweise sein, dass empathischere oder gesündere Menschen von sich aus häufiger zu Büchern greifen.
Trotz dieser Einschränkungen zeichnet die Forschung ein recht klares Bild: Wer regelmäßig in fiktionale Welten eintaucht, trainiert dabei offenbar nicht nur seine Fantasie, sondern auch Sprache und soziale Wahrnehmung.

