
Weißmann: Neue Chats belasten Ex-Generaldirektor
Der Skandal um den ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann erreicht eine neue Dimension: Chats, Fotos und Telefonprotokolle legen nahe, dass er über dreieinhalb Jahre hinweg eine Mitarbeiterin massiv bedrängte. Trotz seiner Behauptung, es habe sich um eine einvernehmliche Beziehung gehandelt, zeichnen die Dokumente ein anderes Bild. Die Affäre erschüttert nicht nur den ORF, sondern wirft auch ein grelles Licht auf Machtmissbrauch und die Kultur in Österreichs größtem Medienunternehmen.
Laut den vorliegenden Chatverläufen begann die Kommunikation zwischen Weißmann und der ORF-Angestellten bereits Ende 2019. Schon früh forderte er private Fotos – einmal sogar explizit ein Bikini-Bild – und verband seine Wünsche immer wieder mit Anspielungen auf Sex. Die Mitarbeiterin wehrte sich mehrfach, blieb jedoch aus Angst vor beruflichen Konsequenzen meist verbindlich. Ab 2020 wurde der Ton rauer: Weißmann drängte auf intime Treffen, schickte unaufgefordert sogenannte Dick-Pics und äußerte Sätze wie „In meiner Welt haben wir Sex, wenn ich Sex will“. Seine Machtposition schwang stets im Hintergrund mit – er erkundigte sich nach ihrer Gehaltsstufe und machte deutlich, dass er Einfluss auf ihre Karriere habe.
Selbst nach seiner Ernennung zum ORF-Generaldirektor Anfang 2022 hörten die Nachrichten nicht auf. Immer wieder entschuldigte er sich kurz für sein Verhalten, nur um anschließend erneut Druck aufzubauen. Ein besonders brisantes Foto aus einer Herrentoilette, das er im September 2021 verschickte, zeigt ihn im Anzug, den Reißverschluss offen, sein erigiertes Glied in der Hand. Im November 2022 verschickte er sogar einen Screenshot eines ORF-Berichts über das kommende Dick-Pic-Verbot – mit dem Kommentar, er dürfe nun nichts mehr schicken, nur noch sie.
Die Mitarbeiterin dokumentierte die Vorfälle akribisch, fertigte Gedächtnisprotokolle von Drohungen am Telefon an und legte die Materialien schließlich dem Stiftungsrat vor. Ein interner Compliance-Bericht sprach zwar nur vom „Anschein unangemessenen Verhaltens“ und verneinte sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn, doch ein externes Gutachten sieht den Tatbestand eindeutig erfüllt. Weißmann trat am 8. März 2026 zurück, inszenierte sich in Interviews jedoch als Opfer und kündigte Klagen an.
Für die Betroffene ist der Fall ein Paradebeispiel für Machtmissbrauch im ORF: Sie wirft dem Sender mangelnde Unterstützung vor und beschreibt eine Kultur, in der Frauen schweigen, weil sie sonst ihren Job riskieren. Nun liegt der Fall bei Gericht – und wirft ein grelles Schlaglicht auf Österreichs größten Medienskandal der letzten Jahre.

