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Spritpreise: Österreich greift auf Notölreserve zurück
Österreich greift in seine Rohöl-Notreserve: 325.000 Tonnen Öl werden freigegeben, um die Versorgung im Land zu sichern und die internationalen Märkte zu stabilisieren. Damit beteiligt sich das Land an der großen Aktion der Internationalen Energieagentur (IEA) – ein Schritt, der sowohl Hoffnung auf sinkende Preise als auch Diskussionen über Risiken entfacht.
Der Hauptausschuss des Nationalrats stimmte am Mittwoch mit der nötigen Zweidrittelmehrheit für die Maßnahme. Neben ÖVP, SPÖ und NEOS unterstützten auch die Grünen die Freigabe. Österreich bringt damit einen Teil seiner Pflichtnotstandsreserve – die insgesamt den heimischen Bedarf für 90 Tage abdeckt – auf den Markt und reduziert sie zunächst um rund elf Tage. Im April sollen der OMV in einem ersten Schritt 65.000 Tonnen Rohöl angeboten werden, das zu Marktpreisen verkauft und nur in Österreich verarbeitet und vertrieben werden darf.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) betonte vor dem Ausschuss, dass bewusst Rohöl statt raffinierter Produkte freigegeben werde. Die bereits verarbeiteten Kraftstoffe sollen weiter als Puffer für eine echte Mangellage dienen. Österreich sei heute deutlich besser vorbereitet als 2022, als die Energiekrise durch den russischen Angriff auf die Ukraine die Preise explodieren ließ.
Grünen-Abgeordneter Lukas Hammer zeigte sich zwar grundsätzlich einverstanden, mahnte aber, die Reserve vorsichtig zu nutzen. Sie sei nicht dazu da, Preise künstlich zu senken, und die frei werdenden Mengen könnten bei einer späteren Knappheit fehlen. Das Ministerium versicherte jedoch, dass die OMV die zusätzlichen Mengen problemlos verarbeiten könne und man sich auch positive Preiseffekte erwarte.
Skeptisch blieb die FPÖ, die gegen die Maßnahme stimmte. Abgeordneter Paul Hammerl kritisierte, dass es vor allem ein Preis- und kein Versorgungsproblem gebe, und stellte die Frage nach einer raschen Wiederbefüllung der Reserve. Laut Ministerium wird eine EU-Richtlinie den Zeitrahmen dafür bald festlegen, sodass ein Rückkauf zu Marktpreisen ohne Verluste möglich sein sollte.
Insgesamt entspricht die freigegebene Menge rund 13 Prozent der heimischen Rohölreserve. Weltweit sollen im Rahmen der IEA-Aktion etwa 400 Millionen Barrel aus Notreserven auf den Markt kommen – ein Signal an die Märkte und ein Versuch, die Lage nach der Eskalation im Nahen Osten zu beruhigen.
