
ORF-Posten: Bewerbungen für Spitzenfeld
Wer führt ab 2027 den ORF? Sieben Bewerber haben sich am Montagabend in einer spannenden TV-Debatte auf ORF III und ORF ON präsentiert – und dabei wurde nichts beschönigt. Von digitaler Zukunftsversion bis zu harter Kritik an der Führung und politischen Einflussnahme: Die Kandidaten lieferten sich ein intensives Ringen um die Gunst des Publikums und der ORF-Gremien.
Den Auftakt machte Clemens Pig, Ex-Chef der Austria Presse Agentur, der auf eine „ORF-Redaktion der demokratischen Mitte“ setzt und Vertrauen bei allen Bevölkerungsgruppen schaffen will. Kathrin Zierhut-Kunz, ORF-III-Kogeschäftsführerin, warnte vor einem „politischen Verschiebebahnhof“ und versprach einen journalistisch starken, wirtschaftlich stabilen Sender. Robert Altenburger, ehemaliger ServusTV-Chefredakteur, sprach offen von einer Führungs- und Imagekrise und will den ORF als digitalen Player neu aufstellen und die Landesstudios stärken.
Johannes Larcher, früher Manager bei HBO und Hulu, kündigte an, den ORF radikal zu modernisieren, Transparenz bei politischen Interventionen zu schaffen und ORF ON zu einem echten Streaming-Service auszubauen. Lisa Totzauer, langjährige ORF-Magazinchefredakteurin, verwies auf ihre Erfahrung in unabhängiger Redaktionsführung und versprach sparsamen und transparenten Umgang mit Gebührengeldern.
Eva Schütz, Herausgeberin von Exxpress, will die Zuschauer wieder ins Zentrum rücken, setzt auf Regionalität und fordert eine stärkere Öffnung gegenüber privaten Medien. Markus Breitenecker, Gründer von Puls4, sieht die größte Bedrohung in den sozialen Netzwerken, die die „Herzen und Hirne unserer Kinder“ aufsaugen, und will mit starken Inhalten auf ORF ON und einer paneuropäischen Perspektive gegensteuern.
Alle Kandidaten – mit Ausnahme von Schütz – wollen die angekündigten Sparmaßnahmen der Regierung anfechten. Unterhaltungsshows wie „Dancing Stars“ und große Sportübertragungen bleiben gesetzt, das Korrespondentennetz soll ausgebaut werden, und eine größere Präsenz auf YouTube und TikTok wird mehrheitlich unterstützt. Am Donnerstag folgt das entscheidende Hearing vor dem Stiftungsrat, danach wird gewählt – dann fällt die Entscheidung, wer den ORF in die Zukunft führt.

